Schluss mit der Pflästerlipolitik – ein Gesamtkonzept muss her!

by | 16. April 2026 | Allgemein

Medienmitteilung des Vereins Stadtzentrum mit Zukunft VSMZ Frauenfeld vom 11. April 2026

In der vergangenen Woche informierte die Stadt unter dem Titel «Dreistufige Mitwirkung zur Aufwertung der Innenstadt erfolgreich abgeschlossen». Mit sechs Erklärvideos zu den Projektentwicklungen in den Strassenräumen Reinstrasse, Rathausplatz, Freie-Strasse, Ringstrasse, Zürcherstrasse (Vorstadt) und Promenade wird den virtuellen Besuchern erklärt, was in den nächsten Jahren wo in baulicher Hinsicht vorgesehen ist. So sollen Grünflächen entstehen und neue, grosszügige Räume zum Leben. Und es sollen Parkplätze abgebaut werden in der Innenstadt, obwohl die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger am 15. Mai 2022 an der Urne klar Nein zur autofreien Altstadt gesagt hatten. Zudem wird im Projekt das Velo als Priorität 1 gewertet, obwohl die Stimmbürger am 24. November 2024 die Veloinitiative ebenfalls klar bachab geschickt haben. Unter dem Strich entsteht durch diese Massnahmen für alle Verkehrsteilnehmer ein höheres Sicherheitsrisiko.

A propos Verkehr: Wo findet in all den Planungen denn der motorisierte Individualverkehr statt? Ging er vergessen? Der Verein Stadtzentrum mit Zukunft ist besorgt über die Entwicklung. Zwar ist der Verkehr für manche lediglich eine lästige Sache, für den Grossteil der Frauenfelderinnen und Frauenfelder aber ist er lebenswichtig. Egal ob beruflich oder privat. Dies belegen Zahlen. Wie der Verkehrsstatistik 2025 des Kantons zu entnehmen ist, werden sowohl die Promenade wie auch die Zürcherstrasse in der Vorstadt pro Tag von bis zu 12’500 Fahrzeugen befahren (Detailplan in der Beilage). Dennoch soll dort Tempo 30 eingeführt werden und Fussgänger, Velo, ÖV und motorisierter Individualverkehr sollen sich die Strassen teilen. Die Fahrbahn soll enger werden und zudem sind ÖV-Haltestellen geplant. Der Stau ist durch diese Massnahmen programmiert – und Fahrzeuglenker werden kriminalisiert, sobald es Unfälle gibt. Es ist anzunehmen, dass es sich bei einem stattlichen Teil der Nutzer von Strassen um reinen Durchgangsverkehr handelt – vorab innerstädtisch produziert. Dies ist primär aber der fehlenden direkten Verbindung zwischen der Bahnhofstasse und der St.Gallerstrasse aus Richtung Süden zuzuschreiben. Denn in Frauenfeld gibt es zwar zwei Ost-West-Achsen – die Bahnhofstrasse und die Umfahrung via Autobahn A7 über die beiden Autobahnanschlüsse – eine durchgehende Nord-Süd- Achse gibt’s hingegen nicht. Und solange es keine zentrumsnahe Verbindung zwischen den beiden Hauptverkehrsträgern Bahnhofstrasse und St.Gallerstrasse gibt, wird sich der Verkehr weiter durchs Stadtzentrum quälen. Das trifft auch auf den Schwerverkehr zu, der aus Kostengründen (LSVA) nicht freiwillig den Umweg übers Autobahndreieck Attikon nimmt, sondern stattdessen durch Frauenfeld fährt.

Vor einem Jahr hatten die Stadt, der Kanton und das Bundesamt für Strassen über das Verkehrskonzept Frauenfeld Ost informiert, das auch eine Wiederöffnung des Lindenspitzes vorsieht und eine mehrere Jahre dauernde Bauzeit. Der Beginn der Bauarbeiten wurde für Sommer 2026 angekündigt, die Gesamtkosten belaufen sich auf 65,1 Mio. Franken. Wie zu vernehmen ist, gibt’s im Zusammenhang mit Enteignungen von Landbesitzern auch Rechtsverfahren. Im Weiterenscheint das Ganze nicht zu Ende gedacht, denn durch die Öffnung des Lindenspitzes stadteinwärts sind bei den Einlenkern Ringstrasse und Oberkirchstrasse in die Zürcherstrasse massive Verkehrsbehinderungen zu erwarten. Sie werden Rückstau verursachen. Fazit: Es wird überall etwas getan, aber nichts Nachhaltiges. Aus diesem Grund fordert der Verein Stadtzentrum mit Zukunft die Verantwortlichen auf, die Pflästerlipolitik endlich zu beenden. Stattdessen ist den Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern ein Gesamtverkehrskonzept vorzulegen, in dem alle wesentlichen Projekte nachvollziehbar aufeinander abgestimmt sind.

Frauenfeld, 11. April 2026 Vorstand Verein Stadtzentrum mit Zukunft